Besuch im Metzgerschlachthof in Fürth/Burgfarrnbach

Im Rahmen meiner Wirtschaftstour durch Mittelfranken habe ich den Metzgerschlachthof in Fürth/Burgfarrnbach besucht. In Zeiten von Tierschutzskandalen wie jüngst im Allgäu aufgedeckt, hat diese Branche mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Ich wollte mir mit eigenen Augen ein Bild machen, wie hier der Schlachtprozess abläuft. Gemeinsam mit dem Innungsobermeister Konrad Ammon habe ich den Schlachthof besichtigt.

Der Schlachthof hat ein Einzugsgebiet rund um die Region Fürth (ca. 40km), dies bedeutet für die Tiere einen kurzen Transportweg und somit weniger Stress. Zudem wirkt sich der Transportweg und der damit verbundene geringere CO2-Ausstoß positiv auf das Klima aus.

In einem Großbetrieb werden pro Tag mehr Tiere geschlachtet, wie in dieser regionalen Schlachtstätte in der gesamten Woche. Dies macht es für die kleinen mittelständischen Betriebe immer schwieriger, konkurrenzfähig zu bleiben. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es beispielsweise keinen einzigen regionalen Schlachtbetrieb mehr. In Mittelfranken gab es früher 15 Schlachtstätten, heute nur noch 2. Die Metzgereibetriebe in Fürth Stadt und Landkreis haben sich in den letzten 20 Jahren von 65 auf 13 reduziert. Von den Fürther Handwerksmetzgern schlachtet nur noch ein einziger Betrieb und ausschließlich nur Schweine. Der Grund liegt neben der geringeren Stückzahl auch in den steigenden Anforderungen und Kosten.

Ein gravierender Unterschied zum Großbetrieb liegt darin, dass in den regionalen Schlachtstätten nur ausgebildete Metzger und Metzgermeister arbeiten. Der gesamte Schlachtvorgang wird somit durch Fachkräfte ausgeführt.

Um für eine größtmögliche Transparenz und Qualitätssicherung zu sorgen, sind im Fürther Schlachthof 16 Kameras installiert, die den kompletten Prozess von der Anlieferung bis zur Schlachtung überwachen. Die Daten werden acht Monate gespeichert. Allerdings sind weitere Vorschriften auf europäischer Ebene zur Kameraüberwachung geplant, die sehr kostenintensiv sind. Für Obermeister Ammon stellt dies eine große Herausforderung dar und vor allem für die kleinen regionalen Schlachtstätten sieht er keine Möglichkeit zur Umsetzung.

Die sinkende Anzahl an regionalen Schlachtstätten bedeutet, dass die Tiere aufgrund längerer Transportzeiten wachsendem Stress ausgesetzt sind. Dies ist aus Sicht des Tierwohls unverantwortlich. Zudem sinkt die Qualität des Fleisches, wenn das Tier in einer Stresssituation geschlachtet wird. Ein weiterer Vorteil von kleinen Schlachtbetrieben ist laut Herrn Ammon, dass die Tiere hier von „nose to tail“ verwertet werden. Der größte Vorteil liegt sicher jedoch in der Tatsache, daß man im Schlachthof die regionalen Landwirte aus der Umgebung kennt und weiß, wie die Tiere gehalten und behandelt werden.

Im Sinne des Tierwohls und der Qualität braucht es also regionale und dezentrale Schlachtstätten. Der Metzgerschlachthof Fürth plant einige Umbaumaßnahmen, um den Stall zu vergrößern und die Kühlung auf natürliche Kältemittel umzustellen.

Auch im Bereich der Verpackungsmaterialen liegen die regionalen Metzgereien vor den großen Supermärkten. Herr Ammon hat die gleiche Menge an Wurstwaren einmal in seinem Metzgerladen vor Ort und einmal im Supermarkt eingekauft. Während in seinem Laden nur 55 g Verpackungsmaterial anfallen, sind es 400 g im Discounter.

Wir können und wollen den Menschen nicht vorschreiben, was sie essen oder nicht essen sollen, aber wir müssen erreichen, daß die Produkte aus landwirtschaftlicher Produktion mit einem angemessenen Preis bezahlt werden, nur so können die Betriebe vor Ort überleben.

Im bayerischen Landtag werde ich mich für den Erhalt der regionalen Schlachtstätten einsetzen und den Schlachthof Burgfarrnbach unterstützen.

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