Der Markt für Alttextilien in Deutschland steckt in einer tiefen Krise. Das über Jahrzehnte etablierte, gut funktionierende Sammel- und Sortiersystem droht zusammenzubrechen. Über die Ursachen und politischen Handlungsoptionen diskutierten Vertreter*innen aus Kommunen, Verbänden, gewerblicher und gemeinnütziger Sammlung bei einem Fachgespräch im Landtag, zu dem MdL Barbara Fuchs eingeladen hatte.
Einig waren sich die Expertinnen und Experten darin, dass die bestehenden, von den Verbraucher*innen akzeptierten Sammel- und Sortierstrukturen erhalten werden müssen. Sie sind Voraussetzung für den Aufbau einer textilen Kreislaufwirtschaft. Doch die Akteure stehen derzeit massiv unter Druck: Die Erlöse für Alttextilien sind stark gesunken, gleichzeitig die Kosten für Sammlung und Sortierung massiv gestiegen. Das System kann sich nicht mehr selbst tragen, so dass sich einige Sammler bereits zurückziehen und Container in den Kommunen abbauen – mit spürbaren Folgen vor Ort.
Hauptgrund für die Krise: der Zustrom an Billig-Textilien, die nur kurz getragen wird. Der Fast Fashion Trend sorgt für eine Flut an Alttextilien, die von so geringer Qualität ist, dass sie kaum recycelt oder wiederverwendet werden kann. Ein weiterer Faktor ist die seit Anfang 2025 geltende Getrenntsammlungspflicht. Von vielen falsch verstanden, ist durch sie der Anteil der Fehlwürfe in den Containern stark gestiegen.
Zeit bis zur Einführung der EPR überbrücken
Viel Hoffnung setzt die Branche nun in die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR): Sie soll sicherstellen, dass Hersteller für die ökologischen Folgen ihrer Produkte, wie Umweltzerstörung und Ressourcenverschwendung, verantwortlich gemacht werden und die Kosten für Reparatur, Weiterverwendung und Verwertung übernehmen, statt sie auf die Allgemeinheit abzuwälzen.
Vor 2028 wird diese aber nicht greifen, bis dahin könnten wichtige Strukturen unwiderbringlich verloren sein. Deshalb sei kurzfristig Unterstützung wichtig, um die Zeit zu überbrücken. Alle Ebenen – EU, Bund, Land und die Kommunen – müssten ins Handeln kommen. Mögliche Ansatzpunkte wurden intensiv diskutiert: Soforthilfen für die Kommunen, Aufklärungskampagnen, die Möglichkeit, dass Sammler Fehlwürfe kostenlos an die Kommunen zurückgeben können, Quoten für den Rezyklateinsatz, Änderungen im Vergaberecht und vor allem starke Gesetze zur Eindämmung von Fast Fashion auf EU-Ebene.
Starker Wille zur gemeinsamen Lösung
Das Fachgespräch hat gezeigt: Die Branche steht mit dem Rücken zur Wand. Aber es gibt auch einen starken Willen zur gemeinsamen Lösung. Das Ziel muss sein, die Strukturen über die Zeit zu retten und eine zukunftsfähige textile Kreislaufwirtschaft aufzubauen.
Ich danke Christian Güntner, Landesvorsitzender des bvse, Martin Wittmann vom Fachverband Textilrecycling im bvse, Dr. Christian Hofer vom Bayerischen Landkreistag, Sabine Schulz-Hammerl von der VKU-Landesgruppe und Johannes Müller, FairWertung e. V. und Aktion Hoffnung Augsburg, für den offenen und konstruktiven Austausch!

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