Diese Woche habe ich gemeinsam mit meinen Fraktionskolleg*innen Stephanie Schuhknecht und Andreas Birzele an der Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse in München teilgenommen. Es ist jedes Jahr aufs Neue beeindruckend, diese Messe zu besuchen und die enorme Vielfalt, Innovationskraft und Leidenschaft zu erleben, die das Handwerk auszeichnet.
Was mich besonders bewegt hat, ist die tiefe Werteorientierung dieser Branche. Das Handwerk denkt nicht nur in Quartalszahlen, sondern in Generationen. Viele Betriebe werden seit Jahrzehnten – oft seit Jahrhunderten – innerhalb von Familien geführt. Diese Bodenständigkeit prägt das Handwerk bis heute. Und sie macht deutlich: Nachhaltigkeit ist hier kein Modewort. Das Handwerk ist von Grund auf nachhaltig, weil Ressourcen verantwortungsvoll eingesetzt werden, langlebige Produkte entstehen und Wissen sowie Verantwortung über Generationen weitergegeben werden.
Sehr eindrucksvoll war auch die Rede des Präsidenten des Bayerischer Handwerkstag, Franz Xaver Peteranderl. Er hat ein starkes Bild davon gezeichnet, welche Rolle das Handwerk in der Zukunft unseres Landes spielen kann. Gerade beim nachhaltigen Wohnungsbau und bei der Umsetzung unserer Klimaziele ist das Handwerk ein zentraler Akteur. Ohne die vielen hochqualifizierten Betriebe vor Ort wird weder die energetische Sanierung unseres Gebäudebestands noch die Wärmewende gelingen.
Gerade deshalb müssen wir bei der Energie- und Wärmewende besonders sorgfältig vorgehen. Die Ziele sind richtig und wichtig – aber sie dürfen nicht durch falsche politische Ansätze ausgebremst werden. Wenn ich mit Handwerkerinnen und Handwerkern spreche, höre ich immer wieder den gleichen Wunsch: mehr Praxisnähe und weniger Ideologie. Entscheidungen aus Berlin müssen sich an der Realität auf den Baustellen und in den Werkstätten orientieren. Die neuen Pläne aus dem Bundeswirtschaftsministerium haben leider vielerorts neue Verunsicherung geschaffen statt Planungssicherheit.
Besonders kritisch sehe ich deshalb die Signale aus dem Haus von Katherina Reiche. Wer die Energie- und Wärmewende politisch abwürgen möchte, schadet nicht nur unseren Klimazielen, sondern auch dem Handwerk selbst. Gerade viele Handwerksbetriebe haben in den vergangenen Jahren investiert, Personal aufgebaut und sich auf neue Technologien und Geschäftsmodelle eingestellt. Ein politischer Kurs, der diese Entwicklung jetzt wieder zurückdreht, gefährdet Aufträge, Planungssicherheit und Arbeitsplätze. Wer das Handwerk stärken will, darf die Transformation nicht abbremsen – sondern muss sie verlässlich und praxisnah gestalten.
Ein weiteres Thema, das in vielen Gesprächen angesprochen wurde, ist der Generationenwechsel. Tausende Handwerksbetriebe stehen in den kommenden Jahren vor der Frage der Nachfolge. Wenn hier keine tragfähigen Lösungen gefunden werden, droht wertvolles Know-how verloren zu gehen. Betriebsnachfolge darf deshalb kein Randthema sein – sie muss politisch unterstützt werden.
Gerade deshalb brauchen unsere Handwerksbetriebe verlässliche Rahmenbedingungen, langfristige Planungssicherheit und weniger bürokratische Hürden. Was sie dagegen nicht brauchen, ist ein ideologischer Zickzackkurs der Bundesregierung, der Investitionen erschwert und Vertrauen untergräbt.
Mein Eindruck von der Messe ist dennoch vor allem ein sehr positiver: Das Handwerk ist bereit, Verantwortung für die Zukunft unseres Landes zu übernehmen. Es hat die Kompetenz, die Innovationskraft und die Haltung, um zentrale Aufgaben wie nachhaltiges Bauen und die Energiewende mitzugestalten. Denn eines ist klar: Wenn wir die Zukunft unseres Landes gestalten wollen, dann geht das nur mit einem starken Handwerk.




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