Symbolpolitik statt echter Unterstützung für die textile Kreislaufwirtschaft
Eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Barbara Fuchs zeigt: Bei der Bewältigung der Krise in der Altkleidersammlung ist von der Staatsregierung wenig konkrete Hilfe zu erwarten. „Die Regierungsfraktionen fordern selbst mit einem Antrag, nachhaltige Textilkreisläufe zu unterstützen, lassen Kommunen und Organisationen aber mit den steigenden Kosten allein,“ kritisiert Barbara Fuchs, wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen.
Das System der Altkleidersammlung steht derzeit massiv unter Druck. Hintergrund sind stark gestiegene Kosten für Sammlung und Sortierung bei gleichzeitig sinkenden Erlösen und einer immer schlechteren Qualität vieler Kleidungsstücke. Für die gewerblichen und sozialen Träger ist die Sammlung nicht mehr rentabel, viele ziehen sich zurück. In mehreren Regionen Bayerns wurden bereits Sammelcontainer abgebaut oder Kooperationen beendet. Die Folge: Städte und Landkreise müssen einspringen – und die Kosten tragen. So wird etwa im Landkreis Rosenheim bei einer rein kommunalen Sammlung mit Mehrkosten von rund 340.000 Euro jährlich gerechnet.
„Das System droht zusammenzubrechen. Damit steht eine flächendeckende, gut etablierte Sammelstruktur auf dem Spiel, die für die textile Kreislaufwirtschaft unverzichtbar ist“, warnt die Landtagsabgeordnete Fuchs. Um das System zu stabilisieren, wären Soforthilfen nötig. Doch die Staatsregierung verweist vor allem auf Maßnahmen zur Verbraucherbildung – ohne Mittel dafür aufzustocken. Zusätzlich geplant ist nur eine Studie, die in den nächsten zwei Jahren Lösungsansätze für das Altkleiderproblem erarbeiten soll.
Barbara Fuchs kritisiert:
„So viel Zeit haben die Kommunen und Organisationen nicht. Sie brauchen kurzfristig Unterstützung. Und gerade jetzt, in den laufenden Haushaltsberatungen, hätte die Staatsregierung die Chance, ein Programm aufzulegen. Aber es bleibt bei wohlklingenden Apellen statt konkreter Maßnahmen. Das ist scheinheilige Symbolpolitik auf Kosten der Kommunen. Sie werden mit den Herausforderungen allein gelassen. Wer es ernst meint mit nachhaltigen Textilkreisläufen, der muss auch das Geld dafür in die Hand nehmen.“
Die Staatsregierung habe die textile Kreislaufwirtschaft bisher vernachlässigt, so die Abgeordnete. Ihre Anfragen zeigen, dass es weder gezielte Unterstützung für Recyclinginfrastruktur und zirkuläre Geschäftsmodelle gibt noch belastbare Daten, z. B. zu Sortier- und Recyclinganlagen oder Sammelcontainern in Bayern.
Die Landtags-Grünen fordern deshalb:
- Kurzfristige finanzielle Unterstützung, um das bestehende Sammel- und Verwertungssystem bis zum Start der EPR zu stabilisieren und die Kommunen zu entlasten.
- Soforthilfe für die kommunale Abfallwirtschaft, wenn sie einspringen und Altkleidersammlungen in Eigenleistung übernehmen muss.
- Eine breit angelegte Aufklärungskampagne, um den Anteil der Fehlwürfe in Altkleidercontainern zu reduzieren und das Bewusstsein zu Fast-Fashion zu schärfen
- Einführung einer Obergrenze für den Restmüllanteil im Altkleidercontainer, analog zum Bio-Müll.
- Gezielte Investitionsförderung für Recyclinginfrastruktur, insbesondere für innovative Faser‑zu‑Faser‑Technologien.
- Verbindliche Recyclingquoten und nachhaltige öffentliche Beschaffung, um Märkte für Kreislaufprodukte zu fördern.
- Auf Bundesebene: Einsatz der Staatsregierung für eine schnelle Umsetzungder erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) sowie für ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz nach französischem Vorbild, das besonders umweltschädliche Kleidung finanziell belastet und die Nachhaltigkeit von Produkten transparent macht.
Weitere Informationen:
- Anfrage Barbara Fuchs vom 9.3.2026: Unterstützung nachhaltiger Textilkreisläufe (DS 19/11183)
- Antrag CSU/FW vom 12.2.2026: Unterstützung nachhaltiger Textilkreisläufe – Bewusstseinsbildung zu „Fast Fashion“ verstärken (DS 19/9996)
- Anfrage Barbara Fuchs vom 10.12.2026: Sammlung und Recycling von Alttextilien in Bayern (DS 19/8780)

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