Zu Gast bei der LAG Christ*innen: Wie finanzieren wir unsere Rente

Am vergangenen Wochenende war ich mit meinem Vortrag zur Rentenfinanzierung zu Gast bei der Klausur der LAG Christ*innen in Plankstetten.

Seit jeher ist das System der Altersvorsorge ein Spiegelbild des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels. Schon das Konzept des herkömmlichen „Altersruhestands“ selbst verändert sich: Neben dem klassischen Rentenbezug werden in Zukunft die unterschiedlichsten Kombinationen aus Rentenbezug und Teilzeitarbeit, ehrenamtlichem En-gagement, Sorgearbeit für Partner*innen sowie Angehörige stehen. Grüne Rentenpolitik muss eine Antwort auf die sich verändernden Lebenslagen, Berufsbiographien und Erwar-tungen der Versicherten sowie der Menschen im Altersruhestand geben. Gleichzeitig erleben wir einen tiefgreifenden Wandel der Arbeitswelt. Das sogenannte Normalarbeits-verhältnis ist zwar noch vorherrschend, doch neben die geschlossenen Erwerbsbiografien treten zunehmend solche, die erzwungene und manchmal auch freiwillige Brüche auf-weisen. Überdies ist prekäre Beschäftigung inzwischen alles andere als ein Randphänomen. Neue Formen selbstständiger Tätigkeiten entstehen, die weder über die Rentenver-sicherung noch über andere Systeme abgesichert sind. Gleichzeitig wollen sich immer weniger Frauen auf die Versorgung durch ihre Ehemänner verlassen. Von Altersarmut sind besonders häufig sie betroffen.
Viele Menschen fragen sich: Wie gestalte ich angesichts des sinkenden Rentenniveaus meinen Ruhestand, besonders wenn die zusätzliche Altersvorsorge hinter den Erwartun-gen zurückbleibt? Abstiegssorgen und die Angst vor Altersarmut werden immer mehr zu einem ernsten realen Problem.

 

Wir Grüne sorgen dafür, dass die Menschen sich darauf verlassen können, dass die gesetzliche Rentenversicherung den Lebensstandard im Alter weitgehend sichert. In den kommenden Jahren sinkt die Zahl der Erwerbstätigen stark, während die Zahl der Rentner*innen steigt, was die gesetzliche Rentenversicherung finanziell vor eine erhebliche Herausforderung stellt. Unser zentrales Ziel ist die Stabilisierung des Rentenniveaus bei mindestens 48 Prozent. Bei einem weiteren Absinken wären immer mehr Menschen auf Grundrente an-gewiesen und die Akzeptanz der gesetzlichen Rente wäre gefährdet.
Unsere sozialen Sicherungssysteme beruhen auf dem Solidaritätsprinzip. Je mehr Menschen einbezogen sind, desto stabiler sind sie. Heute sind aber ganze Berufsgruppen wie gar nicht Teil dieses gesetzlichen Sozialversicherungssystems. Das wollen wir ändern, in dem wir erste Schritte zu einer Bürgerversicherung in der Rente gehen, die perspektivisch alle Bürger*innen in die gesetzliche Rentenversicherung einbezieht.
Schutz vor Altersarmut: Wer einen großen Teil seines Lebens gearbeitet, Kinder erzogen oder andere Menschen gepflegt hat, muss eine Rente erhalten, die oberhalb der Grundsi-cherung liegt. Insbesondere Frauen wollen wir besser vor Armut im Alter schützen

Wir wollen auch die private und betriebliche Altersvorsorge stärken. Kapitalgedeckte Al-tersvorsorge kann man deutlich billiger und deutlich gewinnträchtiger organisieren als das heute geschieht. Wir wollen die Riester-Rente durch einen öffentlich verwalteten Bürgerfonds ersetzen Wir halten an der Rente mit 67 fest. Wir wollen es den Beschäftigten aber leichter ma-chen, selbst darüber zu entscheiden, wann sie in Rente gehen wollen.

Das gesetzliche Rentenniveau wollen wir durch einen Maßnahmenmix dauerhaft auf heutigem Stand stabilisieren: Die Frauenerwerbstätigkeit wollen wir unter anderem durch ein Rückkehrrecht in Vollzeit und verbesserte Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familien-arbeit erhöhen. Wir wollen ein echtes Einwanderungsgesetz schaffen und durch eine Ver-besserung der Arbeitsbedingungen, gesünderes und längeres Arbeiten ermöglichen. Pre-käre Beschäftigung muss überwunden werden, denn nur gute Löhne führen auch zu einer guten Rente. Vor allem die von uns geplante sofortige Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro hat eine deutliche Wirkung.
Die Rentenversicherung wollen wir schrittweise zu einer universellen Bürger*innenversicherung weiterentwickeln. In einem ersten Schritt sollen Abgeordnete sowie alle Selbst-ständigen, die nicht anderweitig abgesichert sind, in die gesetzliche Rentenversicherung aufgenommen werden.
Wirkungsvoller Schutz vor Altersarmut: Geringverdienende wollen wir mit einem arbeit-geberfinanzierten Mindestrentenbeitrag effektiv vor Altersarmut schützen. Arbeitgeber in Niedriglohnbranchen sollen verpflichtet werden, ihre Zahlungen für Beschäftigte an die Rentenkasse aufzustocken. Die Menschen wären dann im Alter nicht mehr auf Sozialleis-tungen angewiesen. Nach 45 Beitragsjahren ergäbe das eine Rente von derzeit rund 1.230 Euro.

Herzlichen Dank für die Einladung und den konstruktiven Austausch!

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