Industrie- und Klimapolitik brauchen verlässliche Zahlen
Die Landtags-Grünen fordern die Staatsregierung auf, sich für eine realistische Berechnung der CO₂-Emissionen von Plug-in-Hybridfahrzeugen einzusetzen. Hintergrund ist die von der EU-Kommission geplante Anpassung des sogenannten Utility Factors ab 2027, der den angenommenen elektrischen Fahranteil von Plug-in-Hybriden bei der Berechnung von Verbrauch und Emissionen berücksichtigt.
Dazu erklärt die wirtschaftspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Barbara Fuchs:
„Wer den Industriestandort Bayern langfristig sichern will, darf sich nicht auf geschönte Emissionswerte verlassen. Wir brauchen ehrliche Zahlen und klare Rahmenbedingungen. Nur so können unsere Unternehmen die richtigen Investitionsentscheidungen für die Zukunft treffen.“
Studien zeigen, dass Plug-in-Hybride im Alltag deutlich seltener elektrisch gefahren werden als bisher angenommen. Die tatsächlichen CO₂-Emissionen liegen deshalb erheblich höher als die offiziellen Werte. Die Grünen kritisieren daher die Haltung der Bundesregierung, die sich für eine Aussetzung der geplanten Anpassung einsetzen will.
Für Barbara Fuchs geht es dabei nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um die Zukunft einer der wichtigsten Branchen Bayerns: „Die Automobilindustrie befindet sich mitten in einer tiefgreifenden Transformation. Gerade in Bayern hängen hunderttausende Arbeitsplätze direkt oder indirekt an der Fahrzeugproduktion und ihren Zulieferbetrieben. Wenn wir jetzt an überholten Berechnungsmethoden festhalten, verzögern wir notwendige Investitionen in Zukunftstechnologien und gefährden damit langfristig die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen.“
Besonders betroffen seien die zahlreichen mittelständischen Zulieferer im Freistaat. Diese müssten ihre Produktion, ihre Forschung und ihre Geschäftsmodelle auf die Mobilität von morgen ausrichten. „Unsere Zulieferbetriebe brauchen Verlässlichkeit und Planungssicherheit. Wer Plug-in-Hybride durch unrealistisch niedrige Emissionswerte künstlich attraktiv hält, sendet die falschen Signale an die Unternehmen. Das verzögert Innovationen und erschwert den Wandel hin zu zukunftsfähigen Produkten.“
Fuchs verweist darauf, dass die internationalen Märkte längst den Takt vorgeben: „Ob China, Europa oder Nordamerika – weltweit steigt die Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen. Bayern kann es sich nicht leisten, bei dieser Entwicklung auf der Bremse zu stehen. Unsere Hersteller und Zulieferer müssen dort stark sein, wo die Märkte wachsen. Dafür brauchen wir Ehrlichkeit statt Schönrechnerei.“
Die Grünen im Bayerischen Landtag fordern deshalb die Staatsregierung auf, die Anpassung des Utility Factors wie von der EU-Kommission vorgesehen vollständig umzusetzen und die Berechnung der CO₂-Emissionen künftig konsequent an realen Fahrdaten auszurichten.
„Wer heute die Transformation verschleppt, gefährdet die Arbeitsplätze von morgen. Ehrliche Emissionswerte sind deshalb nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch eine Voraussetzung für eine starke industrielle Zukunft Bayerns.“
Der Antrag wird voraussichtlich am 9. Juli 2026 im Wirtschaftsausschuss beraten.

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