Austausch mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Letzte Woche haben meine Fraktionskollegin Gisela Sengl und ich mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung über unser aktuelles Schwerpunktthema Lebensmittelwirtschaft gesprochen. Bei unserem Austausch konnten wir mit Herrn Prof. Heister als Leiter der Abteilung Initiativen für die Berufsbildung, Herrn Padur, Leiter des Arbeitsbereichs für gewerblich-technische Berufe, und Frau Hemkes, Leiterin des Arbeitsbereichs Weiterbildung, Durchlässigkeit und Modellversuche, über die aktuellen Herausforderungen der Berufsbildung sprechen.

Fehlender Nachwuchs – geringe Attraktivität der Ausbildung

Das größte Problem dabei sind immer noch die fehlenden Ausbildungsanwärter*innen. Dabei spielt zum einen das öffentliche Image der einzelnen Berufsgruppen eine große Rolle, aber auch andere Faktoren wie z.B. der Wertverlust des Meisterabschlusses. Zudem brauchen Ausbildungsberufe auch mehr Möglichkeiten zur Weiterbildung und Karriereentwicklung, um attraktiver für junge Menschen zu werden. Ein Problem dabei ist auch, dass viele Fortbildungen im Handwerk nicht von der Förderung für überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) abgedeckt sind. Hier muss dringend etwas verbessert werden. Außerdem gibt es auch einen Mangel an Ausbilder*innen und Fortbildungsangeboten, sodass der Anteil an Quereinsteigern in den Branchen zunimmt, welche aber später wiederum nicht ausbilden dürfen. Insgesamt ist es somit vor allem wichtig, Schüler*innen frühzeitig abzuholen, sie bei ihrer Entscheidung für eine Ausbildung zu unterstützen und gezielt zu fördern.

Reformbedarf im Ausbildungssystem

Das Ausbildungssystem ist in vielen Aspekten veraltet und hat einen enormen Reformbedarf. Die Rahmenlehrpläne werden nach der Ausbildungsordnung von 2005 alle 10 Jahre überarbeitet. So stehen in diesem Sommer eine Reform bei den Gastroberufen an, aber auch das Bäckereihandwerk wird wegen der großen Nachfrage vorzeitig überarbeitet. Große Ausbildungszentren können mit hoher Qualität, Kooperationen und Ansehen punkten, während kleinere um ihre Existenz kämpfen müssen. Hier steht die Frage im Raum, ob eine Zentralisierung mit spezialisierten Berufsbildungsstätten inklusive Kooperationen mit regionalen Betrieben und Hochschulen der bessere Weg ist. Auch die Akademisierung wird in Zukunft eine größere Rolle spielen müssen, wobei auf der anderen Seite die duale Ausbildung dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen werden darf. Eine weitere Idee wäre eine Aufteilung in eine Grundausbildung mit anschließender Spezialisierung, um mehr Flexibilität bei der Berufsorientierung zu ermöglichen. Ein zusätzliches Spannungsfeld bilden hier auch die unterschiedlichen Interessen von Handwerk und Industrie. So wird z.B. eine Zusammenlegung der gemeinsamen Berufsbilder von den Handwerkskammern abgelehnt, da diese um ihre hohen Standards fürchten. In diesen Fragen muss die Politik einen klaren Fahrplan entwickeln, um die Zukunft der Ausbildungsberufe sicherzustellen.

Nachhaltigkeit in der Aus- und Weiterbildung

Auch das Thema Nachhaltigkeit wird bei Ausbildungen immer wichtiger und das Interesse wächst stetig. Während einige Branchen schon sehr viel Wert darauf legen, z.B. die Getränkewirtschaft, das Koch- und Bäckereihandwerk, wird es in anderen Teilbereichen wie z.B. bei Metzgerei noch nicht so stark berücksichtigt. Es laufen daher verschiedene Modellprojekte zur stärkeren Verankerung von Nachhaltigkeit in der Aus- und Weiterbildung. So kommt es auch zu immer neuen Berufen und Innovationen innerhalb der Branchen, was wiederum zu mehr Attraktivität und Produktivität führt. Hier bietet sich also eine große Chance für die Berufsbildung als Ganzes.

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