Firmenbesuch bei Bühler Motor: Faire Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen, die in die Zukunft investieren

Wie gelingt es einem traditionsreichen Familienunternehmen, sich in einem tiefgreifenden technologischen Wandel für die Zukunft aufzustellen? Bei meinem Besuch bei Bühler Motor in Nürnberg konnte ich mir davon ein eindrucksvolles Bild machen. Gleichzeitig wurde deutlich, vor welchen großen Herausforderungen unsere heimische Industrie aktuell steht.

Bühler Motor ist ein seit 1855 bestehendes, heute in sechster Generation familiengeführtes Unternehmen. Rund 1.000 Mitarbeitende weltweit, darunter etwa 200 Entwicklungsingenieurinnen und -ingenieure, arbeiten an elektrischen und mechatronischen Antriebslösungen. Schwerpunkt der Tätigkeit ist der Automotive-Bereich, für den das Unternehmen Motoren, Pumpen und Aktuatoren entwickelt. Daneben ist Bühler im Bereich Gebäudeautomation, Land- und Agrartechnik und Medizintechnik aktiv und damit in wichtigen Zukunftsmärkten gut aufgestellt.

Besonders beeindruckt hat mich, dass Bühler Motor die notwendige Transformation frühzeitig und entschlossen angepackt hat. Seit 2019 hat das Unternehmen aus Rücklagen viele Millionen Euro in die Zukunft investiert – in die Technologieentwicklung, in Produktions- und Testanlagen, in die Automatisierung. Damit hat Bühler Motor trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeit, in der Nettogewinne ausblieben und man weltweit Stellen abbauen musste, erhebliche Anstrengungen unternommen, um sich für die Zukunft zu rüsten und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu sichern.

Gleichzeitig steht das Unternehmen unter massivem Wettbewerbsdruck, insbesondere durch Anbieter aus China. Elektrische Pumpen für die E-Mobilität beispielsweise können chinesische Wettbewerber deutlich günstiger anbieten, da für sie nicht die gleichen regulatorischen Anforderungen gelten. In Deutschland produzierte Pumpen müssen ein langes Testverfahren durchlaufen, das bis zu eineinhalb Jahre dauern kann. Importierte Produkte aus China unterliegen diesen Anforderungen nicht. Das führt zu Wettbewerbsverzerrungen, die auf Dauer Arbeitsplätze, Investitionen und industrielle Wertschöpfung in Europa gefährden können.

Für mich ist deshalb klar: Die EU muss für faire Wettbewerbsbedingungen im europäischen Wirtschaftsraum sorgen. Für Produkte, die aus dem EU-Ausland eingeführt werden, müssen gleiche Bedingungen gelten wie für heimische Produkte. Wenn unsere Unternehmen hohe Standards erfüllen, dürfen sie dadurch im internationalen Wettbewerb nicht strukturell benachteiligt werden. Es geht nicht darum, Wettbewerb zu verhindern. Es geht darum, fairen Wettbewerb zu ermöglichen und unsere industrielle Basis zu sichern.

Schließlich hat mir der Besuch bei Bühler Motor wieder einmal gezeigt, welches Potenzial in unseren mittelständischen Unternehmen steckt. Ich habe großen Respekt davor, dass ein engagierter Familienbetrieb trotz des schwierigen Marktumfelds investiert, innovativ bleibt und Verantwortung für die Zukunft übernimmt. Solche Unternehmen sind bereit, den Wandel mitzugestalten. Aufgabe der Politik ist es, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und dafür zu sorgen, dass sich Investitionen in Innovation und Zukunft auch langfristig am Standort Deutschland lohnen.

Artikel kommentieren

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden. Entnimm Weiteres bitte der Datenschutzerklärung.