Delegationsreise ins Baskenland: Industrie, Innovation und europäische Zusammenarbeit

Die Fürther Landtagsabgeordnete Barbara Fuchs mit Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt und der bayerischen Delegation bei der Mondragón Corporation. | Foto: StMWi

Vier intensive Tage voller Gespräche, Unternehmensbesuche und neuer Eindrücke liegen hinter mir. Gemeinsam mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium, einer Delegation bayerischer Unternehmen und weiteren Partnern habe ich das Baskenland besucht, eine der innovativsten und industriell stärksten Regionen Europas.

Die Reise führte uns durch die drei baskischen Provinzen Gipuzkoa, Biskaya und Álava. Im Mittelpunkt standen Industrie, Maschinenbau, Digitalisierung, Forschung, Energie und die Frage, wie moderne Wirtschaftsstandorte ihre Wettbewerbsfähigkeit in einer globalen Welt sichern können.

Mein Eindruck nach diesen vier Tagen: Das Baskenland zeigt, wie erfolgreiche Transformation funktionieren kann, wenn Unternehmen, Forschung, Bildung und Politik gemeinsam an einem Ziel arbeiten.

Zur Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums: „Die Wirtschaftskraft des Baskenlandes ist beeindruckend und gibt wichtige Impulse für ganz Europa“

Tag 1: Erste Einblicke in eine innovative Industrieregion

Zum Auftakt der Reise erhielten wir in Bilbao ein politisches und wirtschaftliches Briefing durch Vertreter der deutschen Botschaft, der Auslandshandelskammer sowie weitere Gesprächspartner aus Wirtschaft und Politik.

Dabei wurde schnell deutlich, welchen Stellenwert die Beziehungen zwischen Bayern, Deutschland und dem Baskenland haben. Bayern ist ein wichtiger Partner für die Region, und viele Unternehmen pflegen enge wirtschaftliche Verbindungen.

Das Baskenland beeindruckt durch eine moderne, innovative und digital geprägte KMU-Landschaft. Die Region verbindet traditionelle industrielle Stärke mit Zukunftstechnologien und investiert stark in Forschung und Entwicklung.

Besonders aufgefallen ist mir die internationale Ausrichtung des Baskenlands. Die Region pflegt wirtschaftliche Beziehungen zu globalen Partnern wie China und begegnet diesen Partnerschaften mit einem klaren Anspruch auf Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Gleichzeitig ist die europäische Orientierung sehr stark spürbar.

Viele Gesprächspartner betonten die Bedeutung eines starken europäischen Binnenmarktes und einer geeinten Europäischen Union. Gerade in einer Welt mit großen Wirtschaftsräumen ist ein starkes Europa aus meiner Sicht entscheidend für unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Tag 2: Automobilindustrie, Hightech und politische Gespräche

Der zweite Reisetag stand ganz im Zeichen von Industrie und Technologie.

Beim Besuch von GESTAMP erhielten wir Einblicke in einen weltweit führenden Automobilzulieferer, der moderne Produktionssysteme, Automatisierung und Smart-Factory-Konzepte konsequent vorantreibt.

Auch das Basque Automotive Manufacturing Center (BAM) zeigte, wie eng Forschung, Ausbildung und industrielle Anwendung miteinander verbunden werden.

Beim AFM Cluster wurde klar, welche Bedeutung der Maschinenbau und die fortschrittliche Fertigung für das Baskenland haben. Rund 800 Unternehmen arbeiten hier gemeinsam an Internationalisierung, Digitalisierung und Zukunftstechnologien.

Ein besonderer Austausch fand im Baskischen Parlament mit Parlamentspräsidentin Bakartxo Tejeria und Industrieminister Mikel Jauregi statt. Die Gespräche zeigten, wie strategisch die Region ihre industrielle Entwicklung gestaltet.

Am Abend bot ein Empfang im Guggenheim Museum die Möglichkeit zum weiteren Austausch mit Unternehmensvertretern und politischen Partnern.

Tag 3: Ein einzigartiges Modell von Industrie und Verantwortung

Der dritte Tag führte uns unter anderem zu SORALUCE, einem international führenden Unternehmen im Bereich High-End-Maschinenbau und Präzisionsfertigung.

Besonders bemerkenswert war anschließend der Besuch der Mondragón Corporation. Das weltweit bekannte Genossenschaftsmodell verbindet Industrie, Forschung, Bildung und soziale Verantwortung.

Mondragón ist ein außergewöhnliches Beispiel dafür, wie wirtschaftlicher Erfolg mit einer starken Unternehmenskultur verbunden werden kann. Besonders beeindruckt hat mich der ganzheitliche Ansatz: eigene Bildungsangebote, enge Zusammenarbeit mit Hochschulen und eine starke Einbindung der Beschäftigten.

Auch die vergleichsweise geringe Gehaltsspanne zwischen Führungsebene und Einstiegsebene zeigt eine besondere Unternehmenskultur.

Beim Besuch von Mondragón Assembly wurde deutlich, wie innovativ das System arbeitet: Automatisierungslösungen, E-Mobilität, Energiespeicherung und moderne Produktionssysteme stehen im Mittelpunkt.

Der Tag endete mit einem traditionellen baskischen Abend in einer sogenannten Txoko. Das war ein besonderer Einblick in die Kultur und Gemeinschaft des Baskenlands.

Tag 4: Bildung, Forschung und Zukunftstechnologien

Der letzte Reisetag begann mit einem Besuch der Deutschen Schule Bilbao. Dieser Termin war für mich persönlich besonders wichtig.

Ein großer Teil der Schülerinnen und Schüler hat keinen direkten familiären Bezug zu Deutschland. Trotzdem haben sie sich bewusst für die deutsche Sprache und Kultur entschieden.

Deutsche Auslandsschulen leisten aus meiner Sicht weit mehr als reine Bildungsarbeit. Sie schaffen Begegnungen, fördern Verständnis zwischen Gesellschaften und bilden langfristige Netzwerke für Wissenschaft, Wirtschaft und Handel. Sie sind wichtige Brücken für internationale Zusammenarbeit.

Anschließend besuchten wir das Automotive Intelligence Center (AIC) und den baskischen Automobilcluster ACICAE. Hier wurde erneut sichtbar, wie eng Unternehmen, Forschung und Ausbildung miteinander verzahnt sind.

Beim Besuch von SENER sowie der Präsentation der Basque Research and Technology Alliance (BRTA) mit Tecnalia, Ideko und Tekniker erhielten wir Einblicke in hochmoderne Forschung und angewandte Technologieentwicklung.

Was ich aus der Reise mitnehme

Eine weitere wichtige Erkenntnis dieser Reise war die Rolle von Frauen in Wirtschaft und Technik. Positiv fiel die gelebte und selbstverständliche Präsenz von Frauen in technischen Berufen und Führungspositionen auf. Bei vielen Unternehmensbesuchen begegneten uns Frauen in technischen Bereichen, Entwicklungsabteilungen und leitenden Funktionen. Das Baskenland zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn Frauen stärker für MINT-Berufe gewonnen werden und Verantwortung in der Industrie übernehmen.

Insgesamt nehme ich viele Impulse mit zurück nach Bayern. Wir müssen bei der Transformation und Modernisierung unserer Wirtschaft deutlich schneller werden. Gerade im Maschinenbau sowie im Werkzeug- und Formenbau dürfen wir uns nicht auf vergangenen Erfolgen ausruhen.

Das Baskenland zeigt: Zukunft entsteht dort, wo Innovation, Mut und Zusammenarbeit zusammenkommen.

Mein besonderer Dank gilt dem Bayerischen Wirtschaftsministerium und Bayern International für die hervorragende Vorbereitung und Durchführung der Reise. Ebenso danke ich Staatssekretär Tobias Gotthardt, meinem Landtagskollegen Andreas Kaufmann, den beteiligten Unternehmen sowie allen Partnern im Baskenland für den offenen und wertvollen Austausch.

Die Reise hat mir erneut gezeigt: In einem starken Europa liegt unsere gemeinsame Zukunft.

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