Besuch in der Zentrale von ebl-naturkost

Vor einiger Zeit durfte ich die Zentrale des fränkischen Bio-Fachmarkts ebl-Naturkost in Fürth besuchen. Die regionale Bio-Handelskette mit ihrem Gründer Gerhard Bickel und seiner Frau Maria Nusser ist eine der ältesten reinen Bio-Märkte überhaupt. Bereits in den 80er Jahren war Herr Bickel für eine Naturkost-Abteilung in den Kaufmarkt-Läden zuständig. Nachdem diese Abteilung geschlossen wurde, bauten Herr Bickel ab 1994 einen eigenen Bio-Handel mit Fokus auf den Verkauf regional produzierter Lebensmittel auf, um lokale Bio-Landwirte zu unterstützen. Heute wird in den 31 Filialen rund 30% Prozent des Gesamtumsatzes durch den Verkauf regional produzierter Lebensmittel generiert. Teil dieser Gründung war auch der Aufbau einer Bio-Metzgerei, welche bis heute die ebl-Märkte täglich mit regionalen Fleisch- und Wurstwaren beliefert. Der Name „ebl“ steht dabei für „einfach besser leben“, das Motto des Unternehmens, das sich ein klares Wertesystem gegeben hat und sich diesem verpflichtet. Im Zentrum stehen dabei Regionalität, die Unterstützung der biodynamischen Landwirtschaft, hohe Tierwohlstandards und faire Preise für die Erzeuger. Ebl fördert die Bio-Erzeuger aber nicht nur in Franken, sondern auch bei den Zulieferern aus fernen Ländern. Faire Preise für Mango-Bauern in der Elfenbeinküste sind dabei genauso wichtig wie die Unterstützung der regionalen Weiterverarbeitung von Kakaobohnen in Ghana, um vor Ort Arbeitsplätze mit angemessener Entlohnung und regionale Wertschöpfung zu schaffen.

Konkurrenzdruck auch im Bio-Handel

Mit Herrn Bickel und seiner Frau habe ich unter anderem über die Bio-Zertifizierung gesprochen, welche inzwischen zu einem großen Anstieg an Bio-Produkten im konventionellen Handel geführt hat. Trotz aller Vorteile hat die Verbreitung auch den Effekt, dass nun auch in der Bio-Branche der Preisunterbietungskampf heftiger geworden ist. Gerade die regionale Vermarktung ist jedoch eine gute Möglichkeit, diesem Trend entgegenzuwirken. Dafür ist aber wichtig, dass kleinere regionale Strukturen auch unterstützt werden, da sie sonst von den großen verdrängt werden. Daher braucht es zum Beispiel eine Förderung von kleinen Schlachthöfen, die regional und mit hoher Qualität produzieren. Und auch im Bio-Lebensmittelhandel gibt es leider immer mehr Personalmangel, trotz vieler zusätzlicher Angebote und flexibler Arbeitszeitmodelle.

Lebensmittelpreise und Nachhaltigkeit

Ein weiteres Gesprächsthema waren die Lebensmittelpreise. Auch wenn bisher keine tatsächlichen Lieferengpässe wegen des Krieges in der Ukraine entstanden sind, gibt es doch große Befürchtungen, dass ein allgemeiner Anstieg der Lebensmittelpreise droht. Aber auch die Mehrwertsteuer ist ein interessantes Thema: So waren wir uns einig, dass Milchersatzprodukte aus Hafer, Soja etc. nicht mit einem höheren Satz besteuert werden sollten als Kuhmilch. Zudem habe ich die Anregung mitgenommen, dass bei einer möglichen Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleischprodukte auch die ökologischen Standards berücksichtigt werden sollten. So würden Bemühungen für Nachhaltigkeit und Tierwohl belohnt und ein Anreiz zur Umstellung entstehen.

Darüber hinaus haben wir auch über Lebensmittelverschwendung und Verpackungsmüll gesprochen. So arbeitet ebl sowohl mit reduzierten Preisen als auch mit der Tafel und Foodsharing, um möglichst wenige Waren verderben zu lassen. Ebl hat vor etwa 5 Jahren in einigen Märkten Unverpackt-Stationen eingeführt, die allerdings noch eine Nische in der Branche darstellen. Auch wenn der Absatz dort während Corona zurückging, erholen sich diese aktuell wieder. In allen ebl-Märkten wird an der Reduzierung von Verpackungen gearbeitet und zum Beispiel verstärkt auf Produkte mit Mehrwegsystem gesetzt oder Papiertüten statt Plastik verwendet.

Auch über das allgegenwärtige Thema der Energiepreise haben wir geredet. Ebl benötigt in der Zentrale und an ausgewählten Standorten ausschließlich Strom für die Kühlung und Beleuchtung, zum Heizen wird die Abwärme des Logistik-Kühlsystems verwendet. Etwa ein Viertel des Strombedarfs wird über eine eigene Photovoltaikanlagen gedeckt, der Rest wird hinzugekauft. Dabei ist es allerdings nach wie vor ein großes Problem, dass Ökostrom aus erneuerbaren Quellen genauso teuer ist wie Kohlestrom. Hier wird es Zeit, die realen Umweltkosten auch in den Preisen widerzuspiegeln, um Ökostrom attraktiver zu machen.

Mitarbeiter-Einsatz honorieren

Ein weiteres Anliegen der beiden war es, dass sie ihre Mitarbeiter*innen, die in der schwierigen Zeit der letzten Jahre besonders viel geleistet haben, auch entsprechend belohnen können. Daher würden sie sich wünschen, dass es für Unternehmen die Möglichkeit gibt, bei vergleichbaren Situationen einmal im Jahr spezielle steuerfreie Sonderzahlungen auszahlen zu können, so wie das auch bei der Corona-Prämie erfolgte. Denn normalerweise müssen Arbeitgeber bei Sonderzahlungen deutlich draufzahlen, um die Abgaben auszugleichen. Ich finde, dass solche Würdigungen von Seiten des Arbeitgebers ermutigt werden sollten und werde daher das Anliegen auch mitnehmen.

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