Auch in Fürth ziehen sich Altkleidersammler zurück – Abgeordnete Barbara Fuchs: „Die Krise spitzt sich zu. Wenn wir jetzt nicht handeln, werden etablierte Strukturen wegbrechen, die wir dringend benötigen.“
FÜRTH / MÜNCHEN, 8. Oktober 2026 – Die Altkleidersammlung in Bayern steht unter massivem Druck. Die Landtags-Grünen haben deshalb einen Antrag eingebracht, um das Sammelsystem für Alttextilien zu stabilisieren und Kommunen finanziell zu unterstützen.
Die Fürther Abgeordnete Barbara Fuchs, warnt:
„Wenn wir jetzt nicht handeln, werden Strukturen wegbreche, die wir dringend benötigen. Wir haben ein etabliertes Sammelsystem. Dieses zu erhalten ist doch sinnvoller als später mit hohem Aufwand Sammelstellen, Sortierkapazitäten und Logistik neu aufzubauen.“
Die Ursachen der Krise sind vielfältig: Der Anteil minderwertiger Kleidung („Fast-Fashion“) in den Containern steigt, gleichzeitig sinken die Erlöse am Markt für Gebrauchttextilien. Hinzu kommen steigende Kosten für Sammlung, Transport, Sortierung und die Entsorgung von Fehlwürfen, also Müll, der fälschlicherweise im Altkleidercontainer landet. Gemeinnützige und gewerbliche Sammler geraten dadurch zunehmend wirtschaftlich in Bedrängnis, vielerorts werden Container bereits abgebaut – auch in der Region Fürth.
Ende Juni hat das Bayerische Rote Kreuz in Stadt und Landkreis Fürth alle 80 Container-Standorte aufgegeben. Die Arche gGmbH will diese Standorte übernehmen, obwohl auch für sie das Geschäft nicht mehr lukrativ ist: Pro Tonne verkaufter Altkleidung legt sie laut Geschäftsführer Andreas Müßig rund 40 Euro drauf, kann aber immerhin so Jobs auf dem zweiten Arbeitsmarkt sichern.
„In Fürth sieht man, wie fragil das System ist: Es hält nur, weil ein sozialer Träger draufzahlt. Das kann keine Dauerlösung sein“, sagt Barbara Fuchs. „Wenn auch dort irgendwann die Luft ausgeht, bricht die Sammlung ganz weg.“
Anfragen an die Staatsregierung: keine Daten, keine Hilfen
Die Fürther Abgeordnete hatte in den vergangenen Monaten mehrfach bei der Staatsregierung nachgehakt. Das Ergebnis ihrer Anfragen sei ernüchternd gewesen: Erkenntnisse über die Anzahl der abgebauten Container und die Folgen für die Getrenntsammlung lägen nicht vor. Zudem wisse die Staatsregierung nicht, wie viele Alttextilien weitergenutzt, recycelt oder verbrannt werden. Sie räume zwar ein, dass eine Übergangslösung bis zur Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung nötig sei, biete aber selbst keine an. Im Hinblick auf eine Entlastung der Sammler verweist sie auf die Kommunen – die aber selbst in schwieriger Finanzlage stecken.
„Seit Ende 2024 ist die Staatsregierung nach eigenen Angaben im Austausch mit der Branche, aber sie kann bis heute nicht sagen, wie konkrete Lösungen aussehen sollen“, so Barbara Fuchs. „Es braucht jetzt schnelle, praktische Hilfe, keine weitere Runde an Studien. Die Kommunen stehen finanziell ohnehin mit dem Rücken zur Wand, sie dürfen nicht allein gelassen werden.“
Die Landtags-Grünen fordern in ihrem Antrag:
- ein Konzept, wie das Sammelsystem durch gewerbliche und soziale Träger bis zur vollständigen Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) erhalten werden kann,
- eine finanzielle Notfallhilfe für Kommunen bis zum 31.12.2027, etwa für Gebühren für das Aufstellen von Containern oder die Entsorgung nicht verwertbarer Textilmengen,
- im kommenden Doppelhaushalt mehr Mittel für die Kreislaufwirtschaft im Textilsektor und die Sensibilisierung für nachhaltigen Textilkonsum.
Weitere Informationen:
- Der Antrag der Landtagsfraktion ist als Drucksache 19/13795 auf der Landtagswebsite abrufbar unter: bayern.landtag.de
- Auswertung der Anfrage von Barbara Fuchs vom August 2026 und weitere Hintergrundinformationen: Altkleider-System in der Krise
- Auswertung der Anfrage von Barbara Fuchs, März 2026:
Mehrkosten für Kommunen fürs Textilrecycling




Artikel kommentieren