Vor kurzem war ich bei WEIG Packaging in Emskirchen (Landkreis Neustadt a.d.Aisch – Bad Windsheim) zu Besuch. Mit den Verantwortlichen der verschiedenen Unternehmensbereiche sowie mit Vertretern von BayPapier habe ich dort über die aktuellen Herausforderungen der Papier- und Verpackungsindustrie gesprochen.
Kreislaufwirtschaft als Geschäftsmodell
WEIG ist eine inhabergeführte Unternehmensgruppe der Papier- und Kartonindustrie. An Standorten in Europa und Südamerika beschäftigt das Unternehmen rund 2.000 Menschen. Das Geschäftsmodell verbindet Altpapierrecycling mit der Papierherstellung und der Weiterverarbeitung zu Faltschachteln und Gipsplattenkarton. So entsteht ein fast geschlossener Kreislauf: Zu 94 Prozent wird in der Produktion Altpapier verwendet, nur 6 Prozent sind Frischfaser – eine beeindruckende Quote. Der Vorteil dieser integrierten Wertschöpfung: natürliche Ressourcen werden geschont, Risiken bei der Rohstoffversorgung minimiert und eine gleichbleibende Qualität des Endprodukts gewährleistet.
Bei meinem Besuch in Emskirchen konnte ich spannende Einblicke in die Produktion von Faltschachteln für renommierte Markenartikel und Handelsmarken gewinnen. Im Gespräch wurde deutlich, dass Kreislaufführung im gesamten Produktionsprozess ein wichtiges Ziel ist. Das übergeordnete Ziel ist klar: Ökologie und Wettbewerbsfähigkeit müssen zusammen gedacht werden. Nachhaltigkeit gelingt dann, wenn ökologische Ziele, wirtschaftliche Stabilität und praktische Umsetzbarkeit im Einklang stehen.
Der Wille zur Transformation braucht Lösungen
Eine große Herausforderung für die Papierindustrie ist die Energieversorgung. Denn die Papierproduktion und -weiterverarbeitung ist sehr energieintensiv. Im Gespräch wurde deutlich, dass der Umstieg auf nachhaltigere Energiequellen nicht allein vom Willen der Unternehmen abhängt. Es braucht auch verfügbare Alternativen und die passende Infrastruktur. Wasserstoff kann langfristig eine Rolle spielen, ist aber aktuell noch nicht ausreichend verfügbar. Hier ist die Politik gefordert: Wir müssen die Voraussetzungen für eine verlässliche, bezahlbare und zukunftsfähige Energieversorgung schaffen. Unternehmen brauchen Planungssicherheit, damit sie investieren und ihre Produktion schrittweise transformieren können.
Als Beispiel dafür wurde auch die Reform des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) genannt: Künftig müssen Unternehmen, die kostenlose CO2-Zertifikate erhalten wollen, im Gegenzug dafür in nachhaltige Energieerzeugungsanlagen investieren. Da die Zahl der kostenlosen CO2-Zertifikate aber nur langsam sinkt, gewinnen die Betriebe dadurch kaum zusätzliche Liquidität, die sie für Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit dringend bräuchten. Gleichzeitig fehlen vor Ort oft Alternativen, in die man investieren könnte, beispielsweise aufgrund unzureichender Netzinfrastruktur.
Eine weitere Lücke zeigt sich bei der Ladeinfrastruktur: Bei WEIG sind E-Lkw bereits im Shuttle-Betrieb zwischen dem Werk in Mayen und dem nahegelegenen WEIG-Logistikzentrum im Einsatz. Für Fahrten zwischen den Werken werden aber weiterhin Diesel-Lkw genutzt, weil die Ladeinfrastruktur noch nicht ausreicht. Die Botschaft ist eindeutig: Wenn Unternehmen in klimafreundlichere Fahrzeuge investieren sollen, müssen Ladepunkte und Netze mitwachsen.
Weitere Forderungen im Gespräch, die den Mittelstand entlasten und seine Wettbewerbsfähigkeit sichern würden: Bürokratie abbauen, Verfahren digitalisieren und Lohnnebenkosten senken. Als konkretes Beispiel sprach WEIG den Einsatz von Fachkräften aus dem Ausland an. Beschäftigte vom Unternehmensstandort in Paraguay könnten als Lkw-Fahrer in Deutschland zum Einsatz kommen. Dafür wünscht sich das Unternehmen einen digitalen One-Stop-Prozess, der Anerkennung, Aufenthalt und Arbeitserlaubnis bündelt. Eine zentrale Anlaufstelle statt vieler einzelner Verfahren würde Abläufe vereinfachen und Unternehmen wie Beschäftigten helfen.
Mein Fazit
Ich nehme aus meinem Besuch in Emskirchen mit, dass Kreislaufwirtschaft in vielen Branchen bereits Alltag ist und sehr gut funktioniert. Ressourcenschonung und Wettbewerbsfähigkeit sind keine Gegensätze, sie gehören eng zusammen. Beeindruckt hat mich bei WEIG, wie umfassend Nachhaltigkeit hier verstanden wird. Neben dem bewussten Umgang mit Rohstoffen, Wasser und Energie gehört auch der soziale Aspekt dazu: Das Wohlergehen der Menschen ist zentraler Baustein der Strategie.
Meinen Respekt dafür und meinen Dank an alle Beteiligten für den offenen und konstruktiven Austausch!





Artikel kommentieren