Diskussion in Fürth über Fast Fashion und die Krise der Altkleidersammlung

Vor kurzem war ich bei der Mitgliederversammlung von Müll und Umwelt Fürth e.V. zu Gast, um über ein Thema zu sprechen, das mich seit Monaten beschäftigt und das uns alle betrifft: die Krise in der Altkleidersammlung.

In Fürth hat das Bayerische Rote Kreuz erst diesen Sommer alle 80 Altkleidercontainer in Stadt und Landkreis aufgegeben. Zum Glück übernimmt die Arche gGmbH die Standorte – obwohl sie mit jedem Kilogramm Altkleider Geld verliert. 40 Euro muss sie pro Tonne drauflegen, nur um Arbeitsplätze zu sichern. Dieses Engagement ist großartig, aber es ist auch ein Warnsignal: Ein System, das nur noch funktioniert, weil soziale Träger draufzahlen, kann keine Dauerlösung sein.

Deutschland ist eigentlich Vorreiter beim Sammeln von Altkleidern: Zwei Drittel aller ausrangierten Kleidungsstücke werden getrennt gesammelt – drei Mal so viel wie im EU-Durchschnitt. Doch das System steht unter massivem Druck. Fast Fashion hat die Menge an Alttextilien verdoppelt – bei gleichzeitig sinkender Qualität. Die Folge: Immer mehr landet im Müll, weil es sich nicht einmal mehr zu Putzlappen verarbeiten lässt. Gleichzeitig brechen die Absatzmärkte weg, die Kosten für Sammlung, Transport und Sortierung steigen, und Fehlwürfe belasten die Sammler zusätzlich. Irgendwann können viele nicht mehr und geben auf. Dann landet die Aufgabe bei den Kommunen, die aber finanziell bereits überlastet sind.

Seit 2025 habe ich deshalb im Bayerischen Landtag verschiedene Initiativen gestartet, um auf das Thema aufmerksam zu machen und Hintergründe zu erfragen:

Die Antworten der Staatsregierung auf meine Anfragen waren dabei durchweg enttäuschend. Es wurde klar: Ihr leben weder belastbare Daten vor, noch hat sie konkrete Lösungen. Ein Satz hat mich besonders beschäftigt: Die Staatsregierung räumt selbst ein, dass eine Übergangslösung nötig ist, bis die „erweiterte Herstellerverantwortung“ des Bundes greift (voraussichtlich 2028). Aber sie bietet eine solche Lösung nicht an. Auf die Frage, wie gemeinnützige und gewerbliche Sammelstrukturen denn entlastet werden können, verweist sie auf die Kommunen. Doch die stehen ohnehin schon finanziell mit dem Rücken zur Wand.

Eine neue Studie (MaKoSaTex) soll nun „Handlungsempfehlungen“ erarbeiten. Das wirkt, als würde man immer wieder von vorne anfangen: Bereits seit 2024 spricht die Staatsregierung angeblich mit der Branche über Lösungen, kann aber heute noch nicht sagen, wie diese Lösungen aussehen. Dabei spitzt sich die Lage immer weiter zu, die Zeit drängt. Ohne Soforthilfe droht das System der Altkleidersammlung zusammenzubrechen.

Deshalb haben wir Grüne im Landtag jetzt einen Antrag eingebracht: Wir fordern ein Konzept, wie die Sammelstrukturen gesichert werden können, sowie eine Soforthilfe für Kommunen – übergangsweise bis Ende 2027. Außerdem beantragen wir dauerhaft mehr Geld im Haushalt für die Kreislaufwirtschaft und Aufklärung über nachhaltigen Konsum.

Die Bayerische Staatsregierung handelt leider oft erst, wenn der Druck aus der Gesellschaft groß genug ist. Wer etwas gegen den drohenden Zusammenbruch der Altkleidersammlung tun möchte, kann deshalb auf die örtlichen Abgeordneten zugehen und sie um Unterstützung für die beantragte Soforthilfe bitten. Hoffen wir, dass das wirkt und unser Antrag im Ausschuss eine Mehrheit findet. Ich bleibe auf jeden Fall dran – damit diese wichtigen Strukturen erhalten bleiben und geschlossene Textilkreisläufe in Bayern Realität werden.

Danke an Waltraud Galaske vom Fürther Verein Müll und Umwelt e.V. für die Organisation dieser Veranstaltung und das kontinuierliche Engagement in Sachen Müllvermeidung!

Fotos (v.l.): Waltraud Galaske, Barbara Fuchs, Gabriele Zapf

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