Geschäftsführer Heiko Lesch mit den Landtagsabgeordneten Barbara Fuchs und Sabine Weigand.

Jeder Tropfen zählt: neue Kraft aus altem Fett

Altspeisefette aus der Gastronomie und aus privaten Haushalten sind ein wichtiger, aber vollkommen unterschätzter Rohstoff. Das lernten die beiden Landtagsabgeordneten Barbara Fuchs, wirtschaftspolitische Sprecherin und Mittelstandsbeauftragte der Grünen Landtagsfraktion, sowie Sabine Weigand, Betreuungsabgeordnete der Grünen im Landkreis Roth, anlässlich eines Besuchs bei der Lesch GmbH & Co. KG in Thalmässing. Begleitet wurden die beiden von den Schwabacher Stadtratsmitgliedern Karin Holluba-Rau und Bernhard Spachmüller.

Seit 1978 ist die Firma Lesch im Bereich des Altspeisefettrecyclings tätig. Sie gilt als einer der Pioniere in dieser weitgehend unbekannten Branche, obwohl sie über 90 Mitarbeiter beschäftigt und mit 35 Lkw mehr als 25.000 Kunden bedient, wie Geschäftsführer Hubert Zenk stolz berichtete.
Das große Standbein ist die Verarbeitung von verbrauchten Speisefetten aus der Gastronomie. In mülleimerähnlichen Behältern werden die meist flüssigen Speisefette vom Kunden abgeholt und in Thalmässing mittels Sieben, Filtern und Zentrifugen gereinigt. Die zurückbleibenden Bestandteile werden in Biogasanlagen eingebracht und dort in elektrischen Strom umgewandelt. Die gereinigten Öle und Fette werden weiterverkauft an die mittelständische Biodieselindustrie. Bekanntlich muss in den Treibstoffen an der Tankstelle ein Anteil aus Biodiesel bestehen. Anstatt Palmöl aus den Tropen zu importieren und dort Umweltschäden zu verursachen, könnte die Biodieselkomponente auch aus Altfetten erzeugt werden. Diese Doppelnutzung – erst in der Küche, danach Treibstoff – reduziert somit auch die CO2-Belastung.

Während die Fette aus der Gastronomie praktisch bereits jetzt komplett recycelt werden, sieht Zenk ein großes Potenzial im Bereich der Privathaushalte. Statistisch verbraucht jede*r Bürger*in etwa 1,3 kg Fett pro Jahr. Gerade 80 g davon werden derzeit verwertet. Verantwortungsvolle Bürger*innen geben Altfette in Wertstoffhöfen ab, aber häufig landen die Fette auch im Restmüll oder in der Kanalisation.
Das Unternehmen Lesch betreibt bereits unter dem eingängigen Schlagwort „Jeder Tropfen zählt“ seit einigen Jahren Pilotprojekte mit der Sammlung von Altspeisefetten, beispielsweise in Fürth, Erlangen und Thalmässing. Jeder Haushalt erhält einen geruchsdichten Sammelbehälter und kann dort Altfette abfüllen, beispielsweise aus der Fritteuse oder aus eingelegten Speisen wie Sardinen oder Antipasti. Die vollen Behälter werden in speziell konstruierten Sammelautomaten ähnlich der Altglassammlung abgegeben und sofort ein neuer leerer Behälter ausgegeben. „Die Akzeptanz des Systems ist groß. Es lässt sich nachweisen, dass in den Projektgebieten die Menge des gesammelten Speisefetts stetig steigt“, zeigt Zenk auf. „Wir haben die Abläufe optimiert. Jetzt wäre die Zeit gekommen, die Projektphase zu überwinden und dieses System in die Fläche zu bringen“.

Barbara Fuchs zeigt sich von den Ausführungen beeindruckt: „Hier wird nachhaltiges Wirtschaften sichtbar. Mich freut besonders, dass ein mittelständischer Betrieb diese Innovationskraft aufbringt und sich auf diesem Markt behauptet.“ Fuchs versprach, dieses Thema in die politische Arbeit einzubringen und zu versuchen, der Verwertung von Speisefetten Rückenwind zu geben, denn das „ist sinnvoll, nachhaltig, ressourcenschonend und ökologisch!“
Die drei Schwabacher Stadtratsmitglieder waren sich einig, dass dieses Sammelsystem auch für Schwabach eine gute Sache sei. „Hilfreich wäre in der Tat ein Förderanreiz vom Wirtschaftsministerium“, formulierte Weigand ihre Hoffnung.

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