Besuch im Autozentrum Fürth Graf

Am 10. Juni war ich auf Einladung des Gesellschafters Wilhelm Graf zu Besuch im Autozentrum Fürth Graf, das zur Feser-Graf-Gruppe gehört, einer der größten Autohandelsketten in Deutschland. Die Gruppe verkauft und vermittelt jährlich etwa 65.000 Fahrzeuge verschiedener Marken an Privatkund*innen und Unternehmen, sowohl Gebraucht- als auch Neuwagen. Dabei nimmt der Anteil des Leasings immer weiter zu und ist heute das Hauptgeschäft. Mit Herrn Graf sowie mit Herrn Scheidel, Prokurist und Verkaufsleiter im Bereich Neuwagen, Herrn Götz, Teamleiter in der Serviceabteilung und weiteren Abteilungsleiter*innen des Standorts habe ich mich ausführlich über die aktuelle Situation und die Entwicklungen des Automobilhandels ausgetauscht.

Die Transformation ist inzwischen in der Automobilbranche endgültig angekommen und wird immer stärker vorangetrieben. Allerdings bringt gerade die Umstellphase immer einige Schwierigkeiten mit sich. Die meisten Leute kaufen im Moment immer noch Verbrenner- oder Hybridfahrzeuge, weil an vielen Stellen zum Beispiel die Ladeinfrastruktur noch nicht ausreichend ausgebaut ist. Gerade bei Dienstwägen wird die höhere Zuverlässigkeit stärker priorisiert als der Nachhaltigkeitsaspekt. Bei Hybriden kommt das Problem dazu, dass die Akkus nur dann dauerhaft funktionieren, wenn das Auto auch tatsächlich regelmäßig elektrisch gefahren wird, was nicht immer der Fall ist. Klar ist aber: Die Hersteller setzen auf E-Mobilität, da diese Methode kurzfristig am Markt am besten zu verkaufen ist, wenn die Neuzulassung der Verbrennerfahrzeuge nicht mehr möglich sein wird.

Ein Zwischenschritt zur politischen Regulierung des Marktes ist der Abbau der Subventionierung von Technologien, die der Transformation nicht förderlich sind. So ist zurzeit geplant, die Förderung von Hybridfahrzeugen ab 2023 zu stoppen. Für den Handel ergibt sich daraus eine ganz andere Schwierigkeit: Aufgrund der langen Lieferzeiten, werden Fahrzeuge teilweise über ein Jahr nach Bestellung erst zugelassen. Gerade mit den zusätzlichen Verzögerungen in der Lieferkette durch den Ukrainekrieg und die Sanktionen ist das noch schwieriger geworden. Die Förderung richtet sich jedoch nach der Zulassung, weshalb der Handel Vertragsrücktritte befürchtet, wenn absehbar ist, dass die Auslieferung nicht vor dem Stichtag möglich ist. Daher wurde darum gebeten, die Förderung an den Bestelltag zu koppeln, nicht an den Tag der Zulassung.

Der Handel wünscht sich eine technologieoffene Regulierung, sodass alle Antriebsarten weiter erforscht und entwickelt werden sollen. Das heißt, z.B. Investitionen und Förderung auch im Bereich von Wasserstoff und E-Fuels. Das dahinterliegende Problem ist jedoch der extrem hohe Energiebedarf. Sowohl für Elektroautos als auch für die Herstellung von Wasserstoff durch Hydrolyse und andere synthetische Kraftstoffe werden enorme Mengen an Strom benötigt. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist daher auch die Basis für die Mobilität der nächsten Jahrzehnte. Deshalb wurden die Pläne der Bunderegierung, eine PV-Pflicht für Neubauten einzuführen, durchaus begrüßt. Da allerdings beim E-Motor mehrere Zwischenschritte ausgelassen werden können, benötigt dieser deutlich weniger Energie als die Produktion von Wasserstoff oder E-Fuels. Daher liegt der Trend zurzeit ganz klar bei der E-Mobilität. Auch die etablierten die Automobilkonzerne investieren vor allem in den elektrischen Antrieb, weil sich dieser bereits auf dem Markt bewährt hat, wohingegen die Alternativen eine risikobehaftete Investition darstellen.

Weil der Handel auch von Reparatur und Nachrüstungen lebt, ist auch hier eine Umstellung notwendig, da sich die Technik bei Verbrennern und E-Autos sehr stark unterscheidet. So gibt es inzwischen zum Beispiel den neuen Ausbildungsberuf Kfz-Mechaniker mit Spezialisierung für Hochvolttechnik, allerdings gibt es dafür in der Region keine Berufsschulplätze, das bedeutet lange Wege und Abwesenheiten der Auszubildenden. Der Betrieb legt daher Wert darauf, dass die knapp 100 Azubis alle auch in diesen Bereich geschult werden.

Interessant war für mich vor allem auch zu hören, dass es zwischen Handel und Herstellern nur noch sehr wenig Kontakt gibt, im Gegensatz zu früheren Zeiten. Heute werden viele Fahrzeuge direkt von den Herstellern – verstärkt auch online – an die Kund*innen gebracht, um so Kosten zu sparen. Daraus ergibt sich natürlich die Befürchtung, dass die Händler irgendwann überflüssig werden.

Regelmäßiger Austausch zwischen Vertretern des Handels mit den Herstellern, findet nicht statt, mit der Konsequenz, dass die Erfahrungen und Anregungen der Handelsunternehmen nicht in die Produktion einfließen können. Außerdem werden auch Informationen zu Updates oder technischen Änderungen nicht zuverlässig weitergegeben und teilweise auch Lieferzeiten nicht eingehalten. Der Handel verdient auch nicht an vermittelten Aufrüstungen (zusätzliche Dienste und Ausstattungen), die die Hersteller anbieten. Vielleicht kann die Politik hier möglicherweise aktiv werden, um beide Seiten an einen Tisch zu bekommen. Denn die Umstellung auf die neuen Antriebstechniken gelingt nur, wenn wir alle Beteiligten einbeziehen.

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