Besuch bei Lebkuchen Schmidt in Nürnberg

Am 23. April habe ich mit meiner Kollegin Sabine Weigand Lebkuchen-Schmidt in Nürnberg besucht. Mit den beiden Geschäftsführern Gerd Schmelzer und Dr. Jürgen Brandstetter haben wir uns über Nachhaltigkeit, Lebensmittelpreise und Arbeitskräfte unterhalten. Auch die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine haben wir angesprochen.

Lebkuchen-Schmidt ist ein traditionelles Familienunternehmen, das seit fast 100 Jahren in Nürnberg ansässig und seitdem stetig gewachsen ist. Die langjährige Gesellschafterin Henriette Schmidt-Burkhardt gründete noch zu Lebzeiten eine Stiftung, in deren Eigentum die Firma mehrheitlich nach ihrem Tod 2014 überging. Ziel war, die Übernahme des Hauses durch Großkonzerne zu verhindern und somit die Arbeitsplätze am Standort langfristig zu sichern. Das Unternehmen produziert bis heute vor allem Lebkuchen, vertreibt aber auch andere süße Leckereien, die vom hauseigenen Logistikzentrum in alle Welt verschickt werden. Die Lebkuchen-Saison in Deutschland ist zwischen September und Dezember vergleichsweise kurz, jedoch beginnt die Vorproduktion dafür bereits im Mai. Die Produktpalette seit einigen Jahren kontinuierlich erweitert und vor allem um Ganzjahresprodukte ergänzt, um die Abhängigkeit vom klassischen Saisongeschäft zu reduzieren. Dazu wird teilweise im Drei-Schicht-Betrieb produziert.

Zurzeit arbeiten bei Lebkuchen Schmidt rund 350 Mitarbeiter*innen, in der Spitzenzeit sind zusammen mit Saisonkräften mehr als 1000 Menschen bei dem Gebäckhersteller beschäftigt. Zudem werden verschiedene Ausbildungsberufe angeboten, von Elektronikerin über Bürokaufmann bis hin zur Süßwarentechnologin. Bei den Beschäftigten liegt der Frauenanteil ziemlich genau bei der Hälfte, in der Geschäftsleitung befindet sich eine Frau.

Lebkuchen-Schmidt setzt auf Nachhaltigkeit und Qualitätsware. Die Zutaten werden daher sorgfältig ausgewählt und kontrolliert. So wird zum Beispiel ausschließlich fair gehandelte Schokolade verwendet, Nüsse, Honig und Gewürze stammen aus verschiedenen Teilen der Welt. Aber auch regional gibt es Partnerschaften, um die Lieferwege bewusst kurz zu halten – etwa beim Zucker, der aus Ochsenfurt stammt. Es ist jedoch nicht einfach, von regionalen Zulieferern so große Mengen zu erhalten, wie sie Schmidt für die Produktion benötigt. Der Vertrieb ist überwiegend national, nur etwa 10 Prozent werden ins Ausland exportiert, fast die Hälfte davon über Versandaufträge als Geschenk. Im Sortiment befindet sich heute bereits ein kleiner Anteil an biologischen und veganen Produkten, der weiter ausgebaut wird. Zusätzlich wird auch daran gearbeitet, die bisherigen Ansätze zur Zuckerreduktion weiterzuentwickeln. Im Moment strebt das Unternehmen an, bis 2023 als nachhaltig zertifiziert zu werden.

Auch in der Back- und Süßwarenbranche sind die Auswirkungen des Ukraine-Krieges spürbar. Der daraus resultierende Preisanstieg ist auch bei jenen heimischen Betrieben angekommen, die eigentlich bei der Belieferung gar nicht durch den Krieg betroffen sind. Das Angebot vieler Rohstoffe auf dem Markt ist gesunken, gleichzeitig versuchen viele Anbieter, vorzusorgen und ihren Bedarf vorab zu sichern, was die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage weiter verstärkt und so die Preise in die Höhe treibt. Daher können sogar viele geschlossene Verträge nicht mehr zu den ursprünglichen Konditionen eingehalten werden. Durch viele langjährige Geschäftsbeziehungen und das sich daraus ergebende Vertrauensverhältnis konnte Schmidt die Folgen für das Unternehmen bislang aber weitgehend geringhalten.

Auch bei den Verpackungen zeigt sich ein massives Problem bei der Lieferkette. So ist die Wartezeit bei Lieferungen von Verpackungsmaterial inzwischen von drei Wochen auf etwa sechs Monate angestiegen. Die extrem gestiegenen Gaspreise indes haben immense Auswirkungen auch auf Lebkuchen-Schmidt, da die Öfen in der Backstube mit Gas betrieben werden müssen. Im Rahmen einer effizienteren und umweltschonenderen Energienutzung hat man sich bei Schmidt jedoch bereits vor der Ukraine-Krise zur Anschaffung eines eigenen Blockheizkraftwerks entschieden, wodurch die Abwärme auch zum Heizen etwa der Büroräume verwendet werden kann. Solche ehrgeizigen Ziele sind genau das, was wir jetzt brauchen und auch von Seiten der Politik unterstützen müssen.

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